Der Wähler hat immer recht. Auch wenn er uns zweifeln lässt!

Die steirischen Gemeinderatswahlen am vergangenen Wochenende haben eines deutlich gezeigt: jene Parteien, die auf Bundes- oder Landesebene Regierungsverantwortung tragen, werden bestätigt, die Oppositionsparteien hingegen geschwächt.

Warum man den Eindruck hat, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung die angeordneten Corona-Maßnahmen samt Lockdown, Pleitewelle und Rekordarbeitslosigkeit massiv ablehnen aber dennoch denen, die uns das eingebrockt haben, ihr Vertrauen schenken ist auch vielen Meinungsforschern unerklärlich.

Ebenso rätselhaft ist, weshalb in jenen steirischen Gemeinden, in denen der schwarze Landeshauptmann gleich drei regionale Spitäler schließen will, ausgerechnet seiner Partei uneingeschränkt das Vertrauen geschenkt wird. Protestkundgebungen, Volksabstimmung gegen den Kahlschlag in der regionalen Gesundheitsversorgung: alles vergessen, die Bürgermeister bleiben schwarz!

Und dort, wo Kapital und Geldadel zuhause sind, leistet der Wähler sich auch schon mal mehr Grün im Gemeinderat. Weil es schick ist, wie in Bad Aussee, wo sich sogar Klaus Maria Brandauer politisch aus dem linken Fenster lehnte.

Der Wähler hat immer recht, heißt es. Aber auch der Volksmund spricht Wahres: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber.“

Nun, den österreichischen Finanzminister mit einem Schlächter zu vergleichen ist despektierlich, fragt sich nur für wen. Aber ein Körnchen Wahrheit lässt sich finden. Wenn der oberste Säckelwart der Republik demnächst jenes viele Milliarden teure Corona-Hilfspaket finanzieren muss, auf das so viele schon so lange warten, dann wird der ministerielle Rotstift zu allererst bei den Gemeinden angesetzt, die ihrerseits danach trachten müssen, mit einem künftig deutlich geringerem Budget über die Runden zu kommen. Denn auch die sogenannten Ertragsanteile an den Steuereinnahmen des Bundes, anteilsmäßig pro Gemeindebürger eingehoben, sind in der Post-Corona-Phase deutlich gefallen.

Jene schwarzen steirischen Bürgermeister, die aus welchen Gründen auch immer am vergangenen Wochenende gewählt wurden werden die ersten sein, die die Gebühren für Wasser, Kanal, Müllabfuhr und Kindergärten drastisch anheben. Sie werden bei den Bauhöfen, bei der Straßensanierung und bei der Beleuchtung sparen.

Der Wähler hat immer Recht. Auch wenn er uns daran oft zweifeln lässt!